Marta & Lion Feuchtwanger

© Florence Homolka

Mit freundlicher Genehmigung der Feuchtwanger Memorial Library,
University of Southern California

Biografie Lion Feuchtwanger

Lion Feuchtwanger wird am 7. Juli 1884 in München als Sohn eines jüdischen Fabrikanten geboren. Er studiert Germanistik und Geschichte in München und gründet nach seiner Promotion 1908 die Kulturzeitschrift "Der Spiegel". Er arbeitet als Theaterkritiker für Jacobsohns "Schaubühne" und verkehrt in den Kreisen der Münchener Bohème. In dieser Zeit verfasst er auch seine ersten Dramen und Erzählungen.

1912 heiratet er Marta Löffler. Beide werden 1914 auf einer Tunesien-Reise vom Beginn des Ersten Weltkriegs überrascht. Mit Mühe entgeht Lion einer französischen Internierung. Er flieht nach Deutschland und beteiligt sich an der Revolution 1918/19.

1919 lernt er in München Bertolt Brecht kennen, mit dem er fortan eng zusammenarbeitet. 1923 wird Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch veröffentlicht, ein historischer Roman über die Tiroler Gräfin, die sich vergeblich bemühte, das Handicap ihrer Hässlichkeit und ihre Außenseiterrolle zu überwinden. Der internationale Durchbruch als Romancier erfolgt zwei Jahre später mit dem Drama Jud Süß. Es wird in einer verfälschten Version im Dritten Reich verfilmt und dient den Nazis als Propagandafilm. Feuchtwanger erzählt darin den Fall des Joseph Süß Oppenheimer, der als Finanzberater eines württembergischen Herzogs 1738 zum Tode verurteilt und grausam hingerichtet wurde.

1925 übersiedelt er mit seiner Frau nach Berlin. 1930 erscheint sein erster zeitgeschichtlicher Roman Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Er schildert die Geschichte Bayerns von 1921 bis 1924 und geht auf den Putsch Adolf Hitlers vom 9. November 1923 ein.

Während der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 ist Feuchtwanger auf einer Vortragsreise in den USA. Aus der Ferne erfährt er von seiner Ausbürgerung und der Verbrennung seiner Bücher. Sein Haus in Berlin wird von den Nationalsozialisten durchsucht, geplündert und beschlagnahmt. Zahlreiche Manuskripte gehen dabei verloren.

Marta und Lion Feuchtwanger lassen sich daraufhin in Sanary-sur-Mer in Südfrankreich nieder. Aufgrund der hohen Auflagen seiner Bücher insbesondere im angelsächsischen Sprachraum führt er ein vergleichsweise behagliches Leben im Exil.

Das Schicksal des jüdischen Volkes bleibt ein beherrschendes Thema für Feuchtwanger. Als Folge der wenig antinazistischen Haltung der Westmächte näherte er sich dem Sowjetkommunismus an. Seine Stalin-freundliche Haltung verzögerte später seine Einbürgerung in die USA. In Exil rechnet er satirisch mit den deutschen Intellektuellen ab, die im Deutschen Reich geblieben waren.

Während des Zweiten Weltkriegs wird er in dem Lager Les Milles bei Aix-en-Provence interniert, aus dem er mit Hilfe seiner Frau und nach kurzer Zeit entkommt. Sie leben versteckt in Marseille, bis sie mit der Hilfe amerikanischer Diplomaten zu Fuß nach Spanien und Portugal fliehen können und von dort in die Vereinigten Staaten emigrieren.

Lion Feuchtwanger ist einer der wenigen deutschen Schriftsteller, die auch im Exil ihre Leserschaft fanden. Seine Romane Die Brüder Lautensack (1944), Die Jüdin von Toledo (1955), vor allem aber Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis (1951) werden zu großen Erfolgen in den Vereinigten Staaten. Am Lebensende befasst er sich wieder mit jüdischen Themen (Die Jüdin von Toledo) und befürwortet einen jüdischen Staat als Zuflucht.

1953 erhält Lion Feuchtwanger den Nationalpreis der DDR 1. Klasse für Kunst und Literatur. Dort wird er als Antifaschist und kommunistischer Sympathisant hoch in Ehren gehalten.

In der McCarthy-Ära wird er als Linksintellektueller argwöhnisch von den US-Behörden beobachtet, aus Angst, nicht wieder einreisen zu dürfen, verlässt er die USA nie wieder.

Lion Feuchtwanger erkrankt 1957 an Magenkrebs. Nach mehreren Operationen verstirbt er Ende 1958 an inneren Blutungen.

Lion Feuchtwanger
Lion Feuchtwanger vor der Küste Pacific Palisades (Feuchtwanger Memorial Library / USC)

Biografie Marta Feuchtwanger

Marta Feuchtwanger wird am 21. Januar 1891 als Marta Löffler in München geboren. Kurz vor ihrem neunzehnten Geburtstag lernt die jüdische Kaufmannstochter auf einem Hausball den jungen Münchner Theaterkritiker und Doktor der Philosophie Lion Feuchtwanger kennen. In diesem Moment habe ihr Leben eigentlich erst begonnen, äußerte sie später in einem Interview. Die ersten Ehejahre vagabundieren beide durch Südeuropa, mit wenig Geld, berauscht vom Erleben fremder Kulturen und Landschaften. In Italien bringt Marta eine Tochter zur Welt, die kurz nach der Geburt stirbt.

1925 ziehen die Feuchtwangers nach Berlin. Als mit dem literarischen Ruhm auch finanzielle Unabhängigkeit kommt, erwerben sie 1931 im Grunewald ein Haus. Aber nur knapp zwei Jahre bleibt es ihr Heim. 1932 begleitet Marta ihren Mann auf eine Lesereise und geht anschließend zum Skifahren nach Sankt Anton. Dort treffen sie sich wieder, als Lion im Frühjahr 1933 aus den USA kommt. Beide können durch die Machtergreifung der Nazis nicht mehr zurück nach Deutschland, ihr Vermögen ist eingezogen, das Konto gesperrt. Sie leben von den Tantiemen aus Lions Büchern und Vorschüssen von hilfsbereiten Verlegern.

Der erste Ort ihres Exils ist Sanary-sur-Mer in Frankreich. Im Oktober 1933 gehen Lion, Arnold Zweig und Bertolt Brecht den steil abfallenden Weg zum Haus der Feuchtwangers hinunter. Die Bremsen ihres weiter oben abgestellten Autos lösen sich, es rollt auf sie zu. Marta greift in den fahrenden Wagen. Sie reisst das Steuer herum und verhindert so, dass die Männer überrollt werden. Das Fahrzeug kippt aber um und fällt auf sie. Marta erleidet komplizierte Bein- und Schenkelbrüche.

Wenige Tage nach Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs wird Lion interniert und erst auf Intervention einflussreicher Freunde wieder freigelassen. Im Mai 1940, beim Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich, werden die Emigranten in verschiedenen Lagern interniert. Marta entfaltet große Kraft, um Erleichterungen für ihre Mitgefangenen durchzusetzen. Es gelingt ihr, aus dem Frauenlager Gurs zu entkommen und Lion, verkleidet in Frauenkleidern, aus dem Männerlager Saint Nicolas zu entführen. Beide können dank der Unterstützung des Fluchthelfers Varian Fry und des amerikanischen Vizekonsuls in Marseille, Hiram Bingham, mit anderen Exilanten schließlich im September 1940 zu Fuß über die Pyrenäen fliehen. Auf verschiedenen Schiffen reisen Marta und Lion von Lissabon nach New York. Von dort fahren sie nach Los Angeles, wo sie 1943 in die Villa Aurora ziehen, die schnell zum Fixpunkt im Leben vieler Intellektuellen und Künstler wird, die aus Deutschland geflohen waren.

Der Tod von Lion Feuchtwanger im Jahr 1958 stürzt Marta in finanzielle Unsicherheit. Sie vermacht der University of Southern California USC Haus und Bibliothek und erhält dafür lebenslanges Wohnrecht und wird als Kuratorin der Villa Aurora eingestellt. Sie engagiert sich politisch und kulturell und wird zum gesellschaftlichen Mittelpunkt von Los Angeles.

Im Jahr 1959 erhält Marta die amerikanische Staatsbürgerschaft. 10 Jahre später kommt sie auf Drängen von Willy Brandt zum ersten Mal wieder nach Deutschland. Sie hat die Reise gescheut, aus Angst, einem die Hand geben zu müssen, der ein Nazi gewesen war.
1980 erhält sie die Ehrendoktorwürde der USC.
1987 stirbt sie im Alter von 96 Jahren.

„So, in meinem fünfzigsten Lebensjahr, wanderte ich im wahrsten Sinne des Wortes zu Fuß in Amerika ein.
Bin ich dadurch eine Amerikanerin geworden? Kann ein Stück Papier ein halbes Jahrhundert meines Lebens ändern? Ich glaube es nicht. Jetzt, da mir knapp zehn Jahre fehlen an der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, fühle ich, daß es gut ist, die Staatsangehörigkeit eines Landes zu besitzen, das in sich das Erbe meiner deutschen Abstammung vereinigt mit den Nachkommen vieler anderer Nationen. Man ist als Amerikaner dem Weltbürgertum sehr nahe."

Aus: Marta Feuchtwanger: Nur eine Frau, Jahre Tage Stunden, Aufbau Verlag Berlin Leipzig, 1984

Marta Feuchtwanger
Marta Feuchtwanger im Innenhof der Villa Aurora (Feuchtwanger Memorial Library / USC)