Wer waren Marta und Lion Feuchtwanger?

LION

Lion Feuchtwanger vor der Küste Pacific Palisades
Lion Feuchtwanger

Kurzbiografie Lion Feuchtwanger

Der Autor Lion Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München geboren. Er wurde nach vielseitigem Studium Theaterkritiker und gründete 1908 die Kulturzeitschrift „Der Spiegel". Im ersten Weltkrieg beinahe in Tunis interniert, gelang ihm rechtzeitig die Flucht. Er wurde vom Militärdienst beurlaubt, um für Soldaten Stücke zu inszenieren.
Von München ging er 1925 nach Berlin. Bei einer Vortragsreise durch die USA wurde er vom nationalsozialistischen Umsturz überrascht. Von 1933 bis 1940 lebte er in Sanary-sur-mer (Südfrankreich) und besuchte 1937 die Sowjetunion. 1940 wurde er in einem französischen Lager interniert, floh und gelangte über Portugal in die USA. Bis zu seinem Tode am 21.12.1958 lebte er in Pacific Palisades.
Lion Feuchtwanger war einer der wenigen deutschen Schriftsteller, die auch im Exil ihre Leserschaft fanden. Seine Romane "Die Brüder Lautensack" (1944), "Die Jüdin von Toledo" (1955), vor allem aber "Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis" (1951) wurden zu großen Erfolgen in den Vereinigten Staaten.

Marta

Marta Feuchtwanger im Innenhof der Villa Aurora
Marta Feuchtwanger

Die Frau an der Seite von Lion Feuchtwanger

„So, in meinem fünfzigsten Lebensjahr, wanderte ich im wahrsten Sinne des Wortes zu Fuß in Amerika ein.
Bin ich dadurch eine Amerikanerin geworden? Kann ein Stück Papier ein halbes Jahrhundert meines Lebens ändern? Ich glaube es nicht. Jetzt, da mir knapp zehn Jahre fehlen an der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, fühle ich, daß es gut ist, die Staatsangehörigkeit eines Landes zu besitzen, das in sich das Erbe meiner deutschen Abstammung vereinigt mit den Nachkommen vieler anderer Nationen. Man ist als Amerikaner dem Weltbürgertum sehr nahe."

Es war kurz vor ihrem neunzehnten Geburtstag, da lernte Marta Löffler auf einem Hausball den jungen Münchner Theaterkritiker und Doktor der Philosophie Lion Feuchtwanger kennen. In diesem Moment habe ihr Leben eigentlich erst begonnen, äußerte sie später in einem Interview. Die ersten Ehejahre vagabundieren beide durch Südeuropa, mit wenig Geld, berauscht vom Erleben fremder Kulturen und Landschaften. Als mit dem literarischen Ruhm auch finanzielle Unabhängigkeit kommt, erwerben sie im Berliner Grunewald ein Haus. Aber nur knapp zwei Jahre bleibt es ihr Heim. Um den mit Sicherheit tödlichen Verfolgungen der Nazis zu entgehen, suchen sie Zuflucht in Südfrankreich, für sieben gute Jahre. 1940, beim Einmarsch deutscher Truppen in das westliche Nachbarland, werden die Emigranten interniert. Marta Feuchtwanger, im Lager Hyère, entfaltet erstaunliche Tat- und Entschlusskraft, um Erleichterungen für ihre Mitgefangenen durchzusetzen. Es gelingt ihr, aus dem Lager zu entkommen, sie arrangiert die Befreiung ihres Mannes und schließlich die gemeinsame Flucht über die Pyrenäen nach den USA. Bis 1987 lebte sie in Kalifornien, in jenem Haus, das für Lion Feuchtwanger und sie vom Asyl zum Zuhause geworden war.

Aus: Marta Feuchtwanger: Nur eine Frau, Jahre Tage Stunden, Aufbau Verlag Berlin Leipzig, 1984


Go to English pages.